Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für Humanbiologie

... ist die Neurogastroenterologie, ein Gebiet, das sich mit der Innervation des Gastrointestinaltraktes und mit der nervalen Regulation gastrointestinaler Funktionen beschäftigt. Die autonome Innervation des Magen-Darm-Trakts spielt eine zentrale Rolle sowohl für die normale Funktion als auch für gastroenterologische Erkrankungen.

 

Der Gastrointestinaltrakt unterscheidet sich von allen anderen Organen dadurch, dass er seine Funktionen auch außerhalb des Körpers aufrechterhalten kann. Diese außergewöhnliche Fähigkeit verdankt er einem ihm eigenen Nervensystem, welches sich in der Darmwand befindet. Dieses selbstständige Nervensystem wird als enterisches Nervensystem (ENS) bezeichnet. Das enterische Nervensystem zieht sich als durchgehendes Netzwerk mit über 100 Millionen Nervenzellen und noch mehr Glia von der Speiseröhre bis zum Darmausgang. In Würdigung seiner strukturellen und funktionellen Ähnlichkeit zum Gehirn wird es auch als "Bauchhirn" bezeichnet.

Der Lehrstuhl für Humanbiologie beschäftigt sich mit der neuronalen Kontrolle der wichtigsten Effektorsysteme im Magen-Darmtrakt - der Muskulatur, der Mukosa und der Blutgefäße. Darüber hinaus werden bidirektionale Interaktionen zwischen dem enterischen Nervensystem und dem enterischen Immunsystem, dem größten immunologischen Organ im Körper, untersucht. Der Lehrstuhl bearbeitet Fragestellungen von grundlegender physiologischer und pathophysiologischer Bedeutung und sieht sich klinischen Fragestellungen besonders verpflichtet. Dies spiegelt sich in einer Reihe von Forschungsprojekten zu funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen des Menschen wieder. Das Ziel dieser Projekte besteht in der Entwicklung neuer Strategien zur Diagnose und Therapie gastrointestinaler Erkrankungen. Weltweit nahezu einzigartig ist, dass die neurophysiologischen, neuroanatomischen und funktionellen Untersuchungen am Lehrstuhl für Humanbiologie auch an humanem Darm durchgeführt werden.